agsandrew_shutterstock_320772890-

Emotionale Kompetenz

Das menschliche Gehirn ist sozial und emotional angelegt. Emotionen steuern unsere Handlungen und geben uns Feedback über Erfolg oder Misserfolg unserer sozialen Kontakte.

Emotionen sind erlebte Erfahrungen, die positive oder negative Gefühle auslösen und die in unserem emotionalen Erfahrungsgedächtnis, dem limbischen System gespeichert werden. Dieser Prozess beginnt bereits vorgeburtlich und unbewusst. 

Emotionen sind reine Interpretationen auf Basis der unbewussten Erfahrungen und können, abhängig von der Qualität der Ersterfahrung, unsere Selbstwahrnehmung und die sozialen Kontakte erheblich beeinträchtigen.

Dank Neuroplastizität, der lebenslangen Formbarkeit unseres Gehirns, können wir aber auch neue Erfahrungen machen und diese durch Training weiterentwickeln.

Emotionale Kompetenz im Umgang mit Anderen führt zu hoher Lebensqualität und beruflichem Erfolg.

Umgang mit Konflikten

Zu den großen Stressoren gehören Konflikte jeder Art. Sie drücken sich zuerst nur als Missstimmung aus, beeinträchtigen aber den Erfolg ebenso wie ein offen ausgetragener Streit. Was Konflikt-Situationen von anderen Situationen unterscheidet, sind die damit verbundenen belastenden Emotionen. Weil wir meist von klein auf gelernt haben, dass Streit und Aggression unangemessen sind, verdrängen wir das Thema bis es nicht mehr möglich ist. In der Folge erleben alle Beteiligten massiven Stress im Umgang miteinander und in der Auseinandersetzung mit sich selbst.

Ziel ist es, Konflikte als normalen Bestandteil des Lebens zu begreifen und zu lernen damit konstruktiv umzugehen. Mit dem Erkennen der den Stress auslösenden Gedanken und Denkfehler lassen sich Techniken einsetzen damit angemessener umzugehen. Dazu gehört insbesondere eine wertschätzende achtsame Kommunikation im Umgang mit sich Selbst und dem Anderen.

Emotionen und Stressbewältigung

Menschen haben eine sehr unterschiedliche Stress-Schwelle: was der Eine achselzuckend ablegt, führt beim Anderen zu heftigen Stressreaktionen und Selbstvorwürfen. Stress entsteht also weniger durch äußere Rahmenbedingungen als vielmehr durch die innere Bewertung, die sich dann in negativen Gefühlen ausdrückt.

Vorstellungen und Überzeugungen vom eigenen Ich führen dabei zu einer Gedankenspirale, die emotionale Prozesse auslöst. Ein wichtiger Ansatz ist daher der achtsame Umgang mit den Gedanken, die über Stressauslöser entstehen.

Ziele leichter und kreativer erreichen

Menschen, die im Flow sind, erreichen spielerisch ihre Ziele und erzielen dabei Leistungen, mit denen sie über ihre normalen Grenzen hinausgehen. Vielfach blockieren wir uns aber selbst, durch überhöhte Ansprüche oder durch ein bereits hohes Stressniveau.

Kindheitserfahrungen und Prägungen spielen dabei eine wichtige Rolle, es bedarf dann kaum noch äußerer Faktoren, um sich überfordert zu fühlen und hohe Ziele zu blockieren.

Steht das Gehirn unter Stress, ist Kreativität kaum noch möglich, denn das limbische System mit seinem emotionalen Zentrum, der Amygdala, hat in der Bewältigung Vorrang. Evolutionär war das sinnvoll, denn kreatives Denken hätte das Überleben nur gefährdet, gefragt war nur Kampf oder Flucht.

Im modernen Leben hingegen wird diese Grundeinstellung zum Problem. Es sind daher Wege gefragt, eine andere Haltung dazu zu entwickeln und die Impulskontrolle des höher entwickelten Gehirns zu stärken, um die Amygdala zu kontrollieren. Dass solche Veränderungen im Gehirn grundsätzlich möglich sind, wird durch die Neuroplastizität des Gehirns bestätigt, unter der man die Fähigkeit versteht, neue synaptische Verbindungen aufzubauen und alte stillzulegen.

Wie Motivation im Gehirn entsteht

Unmotiviert gibt es nicht.
Als Motivation wird der Antrieb bezeichnet, einen positiven Zustand wie Freude zu erreichen oder etwas Unerwünschtes zu vermeiden.

Motivation entsteht aus Erfahrungen der Vergangenheit darüber, was als erstrebenswert oder zu vermeiden gilt. Antreiber ist also die Erwartung eines bestimmten Effekts über ein Verhalten.

Während die Motive dazu individuell sehr unterschiedlich sind, ist allen Menschen gemeinsam, dass sie nach positiven Erlebnissen streben, um das damit verbundene Glücksgefühl möglichst immer wieder zu erleben. Dieses wird vor allem durch die Ausschüttung des motivierenden Gehirnbotenstoffs Dopamin unterstützt, der dann Glücksgefühle zur Folge hat.

Motivation ist kein Selbstzweck, sondern entstand in der Evolutionsgeschichte des Menschen mit dem Ziel das Überleben zu sichern.

Selbstwert versus Ego

Während wir im Westen daran arbeiten, unser Selbstwertgefühl zu stärken, geht es in der östlichen Philosophie darum, nicht an Gedanken und Gefühlen “anzuhaften”, also sie nicht festzuhalten, sondern Gedanken als etwas Vorübergehendes zu begreifen und sie achtsam kommen und gehen zu lassen.

“Ich denke, also bin ich” steht für das westliche Denken mit der Definition des Egos als charakteristischem Merkmal des einzelnen Menschen. Im Zen-Buddhismus hingegen heißt es “kein Gedanke, kein Problem”. Erkenntnisse der Neurowissenschaften bestätigen neuerdings die uralten östlichen Erkenntnisse, wonach es ohne das Nachdenken über das eigene Ego auch kein Leiden daran gäbe.

Die rechte Hirnhälfte hat neben den Gemeinsamkeiten mit der linken eine Spezialisierung auf das Unbewusste und Intuitive, auf Informationen und Kompetenzen, die nicht mit Sprache wiedergegeben werden können und daher als unbewusst erlebt werden. In unserer Kultur herrscht die Dominanz der linken Hirnhälfte, weil sie der Sprache mächtig ist. Da zu deren Aufgaben neben der Kategorisierung auch die Bewertung und Interpretation von Erfahrungen gehören, entsteht daraus kein reales Abbild der Welt, sondern nur eine Konstruktion des Gehirns.

Wertschätzende Kommunikation

Menschen sind soziale Wesen, daher sind soziale Kontakte essenziell. Wie wir die Welt erleben, hängt davon ab, wie wir uns fühlen und wie wir diese sozialen Kontakte erleben. Alle Menschen haben ein Bedürfnis, von Anderen wertgeschätzt zu werden, was manchmal schwierig ist, weil andere Menschen die Welt aufgrund anderer Erfahrungen völlig anders sehen als wir. Letztlich leben sie in einer anderen Welt als wir, mit anderen Wertvorstellungen und Überzeugungen.

Ob unsere sozialen Kontakte erfreulich verlaufen, hängt dann in hohem Maße davon ab, ob wir unserem Gegenüber eine grundsätzliche Wertschätzung vermitteln können. Durch verschiedene neuronale Systeme wissen sie intuitiv, ob ihr Gegenüber ihnen gewogen ist oder Vorbehalte gegen sie hat. Bestehen solche, geht die Bereitschaft zur Kommunikation gegen Null.

Es macht daher Sinn, sich verbal und nonverbal auf die Unterschiedlichkeit von Menschen einzustellen und eine echte Wertschätzung für jeden zu entwickeln, unabhängig von seiner Kultur, oder Meinung. Die in Konfliktsituationen erprobte Technik der gewaltfreien Kommunikation ist für jeden Bereich geeignet, man spricht meist von der wertschätzenden Kommunikation.