Umgang mit Konflikten

Da das menschliche Gehirn erst mit Mitte 20 ausgereift ist, ist der Wunsch nach Sicherheit im Gehirn sehr stark. Diese Grundstruktur führt zu einem tiefen Grundbedürfnis nach Verbundenheit und Zugehörigkeit mit anderen Menschen. Wird dieses Bedürfnis z.B. in Konfliktsituationen verletzt, reagiert das limbische System autonom mit einer Stressreaktion, zunächst mit einer kurzfristigen, bei anhaltenden Konflikten mit Dauerstress, der die HHN-Achse aktiviert und zur Ausschüttung von Cortisol führt, das kaskadenartige Veränderungen im Gehirn und damit auch auf der körperlichen Ebene zur Folge hat.

Neben der Verbundenheit gibt es als zweites Grundbedürfnis des menschlichen Gehirns den Wunsch nach Wachstum und individueller Freiheit. Ist diese Entwicklungsmöglichkeit subjektiv gefährdet wie in Stresssituationen, reagiert das Gehirn ebenfalls mit Inkohärenz und mit Stress. In Konflikten ist eines der beiden Grundbedürfnisse gefährdet.

Entsteht die Seele im Gehirn?

Wie tief oder niedrig die Schwelle für Konflikte hängt, ist abhängig von der Persönlichkeitsentwicklung der ersten Lebensjahre, die bereits pränatal beginnt. Nach dem Vier-Ebenen-Modell des limbischen Systems ist die 1.Ebene genetisch vorgegeben und ggf. noch beeinflusst von epigenetischen (umweltbedingten) Faktoren der Mutter, die in der nächsten Generation bereits in den Genen liegen. Diese 1.Ebene ist vollständig unbewusst und auch später nicht über kognitive Techniken erreichbar. Die 2.Ebene, ebenfalls pränatal bzw. frühkindlich entstanden, enthält die unbewussten Anteile des Selbst und die Grundlage für Empathie. Sie enthält das emotionale Gedächtnis der Amygdala mit vor allem als negativ und bedrohlich bewerteten Erfahrungen. Erst die 3.Ebene ist Teil des Kortex und verfügt über bewusste Erfahrungen im sozialen Kontext. Hier liegt auch die Impuls- und Emotionskontrolle mit ihrem begrenzten Einfluss auf die tieferen limbischen Ebenen. Auf der 4.Ebene entstehen als kognitiv-sprachlicher Teil des limbischen Systems der bewusste Verstand und Realitätssinn.
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Wie aus Stress Gefühle werden

Stress entsteht, wenn eine unerwartete Information im Gehirn eintrifft. Jedes Gehirn entwickelt im Laufe seines Lebens Vorstellungen darüber, wie die Welt um es herum sein sollte und welche Rolle der Gehirnbesitzer darin spielt.

Bei der Reaktion über das Verhalten haben sich dann bestimmte Reaktionswege etabliert, die automatisiert abgerufen werden. Entspricht das Feedback auf das Verhalten dem erwarteten Ergebnis, wird die damit verbundene neuronale Verbindung gestärkt und läuft künftig effizienter ab.

Führt das erprobte und bewährte Verhalten hingegen nicht zum erwarteten Feedback, wie dies häufig in Konflikten der Fall ist, verstärkt sich der Stress. Es müssen dann neue Wege gefunden werden.