Grundwissen über das Gehirn

  • Das Gehirn verbraucht 20% der Energie und versucht daher möglichst viele Vorgänge automatisiert ablaufen zu lassen. Das hat Konsequenzen auf die Wahrnehmung: unsere Sinne nehmen das wahr, was unser Gehirn wahrzunehmen gelernt hat. Dabei überprüft das Gehirn die aktuelle Sinneswahrnehmung mit dem bereits Vertrauten. Ggf. wird die Wahrnehmung dem Bekannten angepasst, nicht umgekehrt.
  • Vertrautes und als allgemein gültig Geltendes kann im Gehirn sehr schnell verarbeitet werden und wird daher als sicher wahrgenommen. Neue Informationen hingegen müssen aufwändig überprüft werden, sie erzeugen zunächst Unsicherheit. Veränderungen sind daher immer mit einem Gefühl der Unsicherheit verbunden, weil dafür erst neue Verbindungen entstehen müssen.
  • Emotionen bestimmen sehr weitgehend die Persönlichkeit. Das Zentrum der emotionalen Verarbeitung, die Amygdala, vergisst nie. Es ist allerdings möglich, durch das Lernen und Trainieren von z.B. neuem Verhalten das alte, unerwünschte Verhalten in den Hintergrund zu verdrängen oder Erinnerungen durch Abruf, Veränderung und Neuspeicherung zu mildern.

Gehirnbesitzer oder Gehirnbenutzer?

Die Entwicklung des menschlichen Gehirns erfolgt nur zum Teil auf der genetischen Basis, den entscheidenden Anteil aber haben Lebensstil und Erfahrungen in einem Gehirn, das sich selbst auf Grund dieser Erfahrungen strukturiert. Es verändert sich durch seine Nutzung, man spricht von der sog. erfahrungsabhängigen Neuroplastizität.

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Das nutzungsabhängige Gehirn

Das Gehirn kann sich optimal an sein Lebensumfeld anpassen, was einen bedeutenden evolutionären Vorteil darstellt. Ein Beispiel für diese Flexibilität ist die grundsätzliche Fähigkeit, alle Sprachen in der Qualität der Muttersprache zu erlernen, zumindest so lange, bis sich das Zeitfenster dafür schließt.

Vorher kann ein Kind sowohl Deutsch als auch Chinesisch lernen und zwischen „r“ und „l“ unterscheiden. Danach werden die unbenutzten Verbindungen der Nicht-Muttersprache stillgelegt und, wie letztlich alles, was nicht genutzt wird, aufgegeben und anderweitig genutzt.
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Alles eins: Denken, Fühlen, Handeln

Nur ein kleiner Teil unseres Denkens findet bewusst statt, die Mehrzahl der Prozesse im Gehirn hingegen findet unbewusst statt.

Uns wird nur am Ende das Ergebnis bewusst.
Dieses nicht explizite Denken beinhaltet große Chancen: hier ist die Kreativität zu Hause, die ihre Ergänzung findet in der Logik des bewussten Denkens.

Kreativität ohne Logik ist genauso begrenzt wie Logik ohne Kreativität, beide sind gegensätzliche Pole, die sich sinnvoll ergänzen.
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Entzauberung der Gehirn-Mythen

Weil sie plakativ sind und sich gut vermarkten lassen, halten sich zahlreiche Mythen um unser Gehirn wie folgende:

  • Unser Reptilienhirn führt zu primitiven triebgesteuerten Handlungen.
  • Wir nutzen nur 10% unseres Gehirns.
  • Die rechte Hirnhälfte ist kreativ und empathisch.
  • Gehirnjogging erhöht die Leistungsfähigkeit des Gehirns.
  • Wir können Multitasking.
  • Mit dem Alter lässt die Lernfähigkeit nach.

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Entsteht die Seele im Gehirn?

Liegen die Grundlagen der Seele in den neurobiologischen Prozessen unseres Gehirns?

Welche Faktoren führen zu psychischen Störungen und Erkrankungen?
Zentrales Thema ist die Entwicklung des menschlichen Gehirns mit dem Sitz der Psyche im limbischen System, die aus drei Schichten besteht und sich weitgehend dem Zugriff über das Bewusstsein entzieht.
In der ersten, untersten Schicht, im Hypothalamus liegen alle Strukturen, die uns physisch am Leben halten wie Atmung und Blutkreislauf, aber auch die psychischen Grundstrukturen wie Selbstvertrauen, Mut und Temperament. Diese sog. Grundausrüstung ist genetisch bedingt.
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Irren bleibt menschlich

Die größte Schwäche des Gehirns ist auch seine größte Stärke: es ist kein Schubladensystem, sondern es arbeitet in komplexen Beziehungsmustern. Es ermöglicht somit eine lebenslange Erweiterung und Integration des Wissens und eine Kreativität wie sie ein Elektronenhirn niemals wird leisten können. Es kann Zusammenhänge herstellen, wo in der Vergangenheit keine waren.

Unser Gehirn denkt weder in Buchstaben noch in Ziffern, sondern in Mustern, Bildern und Geschichten. Die Sprache des Gehirns sind Emotionen, in der neurowissenschaftlichen Definition sind das komplexe Handlungsmuster mit einem hohen Anteil an Gefühlen.

Rationale, rein faktenbasierte Entscheidungen, wie sie ein Computer an Hand vorgegebener Kriterien entwickelt, gibt es beim menschlichen Gehirn nicht. 
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