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Well-Aging

Altern ist ein natürlicher biologischer Prozess, der sehr individuell abläuft. Nur zu ca. 30% hängt er von der Vererbung ab. Zu 70% ist er abhängig von beeinflussbaren Lebensstilfaktoren

Ziel ist es nicht, das Leben zu verlängern, sondern die Qualität der Lebensjahre zu erhöhen.

Viele der Langlebigkeitsfaktoren sind bekannt und eigentlich sehr einfach umzusetzen, wenn der Wille dafür vorhanden ist. Es ist aber nie zu spät damit anzufangen, am Größten ist der Erfolg dennoch, wenn man möglichst früh damit beginnt.

Natürlich altern

Zahlreiche Krankheiten nehmen mit dem Alter zu und werden daher als altersbedingt betrachtet. Wie das Altern abläuft, ist allerdings höchst individuell und hängt nur zu ca. 30% von der Vererbung ab. Zu 70% ist er abhängig von Lebensstilfaktoren.

Die biologische Alterung entsteht durch Oxidationsprozesse (freie Radikale), die wichtige Enzymaktivitäten blockieren und die Zellmembranen schädigen. Mit Antioxidantien kann versucht werden, diese Radikale zu neutralisieren. Entsprechend der Belastung mit oxidativen Prozessen, sinkt die zur Verfügung stehende Energie in den Mitochondrien.

Ein weiterer Faktor sind stille Entzündungsprozesse, die die Vorstufe zu den chronischen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf. Erkrankungen, Adipositas darstellen.

Diese Prozesse lassen sich nicht völlig verhindern, aber mit einer Anpassung der Lebensstilfaktoren in der Geschwindigkeit deutlich verlangsamen.

Langlebigkeitsfaktoren

Einige der bekanntesten Langlebigkeitsfaktoren im Überblick:

Ernährung: Gesunde, naturbelassene Lebensmittel ernähren Gehirn und Körper besser als industriell verarbeitete und denaturierte Nahrungsmittel mit Zusatzstoffen und hohem Zuckergehalt. Dabei ist eine eiweißreiche, entzündungsarme Kost durch die Aminosäuren mit reichlich Fettsäuren erfolgreicher als eine Ernährung, die reich an Kohlenhydraten ist. Mangels Gehalts an Nährstoffen, ist heute auch bei bester Bioqualität eine Ergänzung mit Mikronährstoffen erforderlich.

Einen besonderen Effekt hat regelmäßiges Fasten, weil in einer Zeit außerhalb der Nahrungsaufnahme, idealerweise 16 Stunden über Nacht, Gehirn und Körper die Regenerationsprozesse durchführen können.

Bewegung gehört aus der Evolutionsgeschichte essenziell dazu, da sich das Gehirn mit der leistungsfähigen Großhirnrinde, insbesondere dem Frontallappen, erst durch Gehen zu dieser Größe entwickelt hat.

 

"Altersbedingte" Krankheitsrisiken vermeiden

Zahlreiche Krankheiten nehmen mit dem Alter zu und werden daher als altersbedingt betrachtet.

Das Altern selbst gilt nicht als Krankheit, weil lt. Definition Krankheiten nur als solche zu betrachten sind, wenn weniger als 50% der Bevölkerung davon betroffen sind. Weil Altern jeden betrifft, gilt der Vorgang nicht als Krankheit.

Behandelt werden daher bisher nur die mit dem Altern verbundenen Symptome bzw. Krankheiten. Dazu gehören metabolisches Syndrom, Adipositas, Arthrose, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen u.v.m.

Schlaf: der unterschätzte Anti-Aging-Faktor

Vor allem nachts während der Tiefschlafphasen finden zahlreiche Reparaturprogramme und die Abfallentsorgung im Gehirn statt. Da das Gehirn kein Lymphsystem besitzt, benötigt es die nächtliche „Ruhezeit“ für die Entsorgung der Abfallprodukte.

Dass Schlaf auch noch schlank macht, dürfte kaum bekannt sein, ebenso wenig, dass Schlafstörungen als vermutlicher Auslöser von Demenzerkrankungen gelten.

Jeder Zweite über 65-jährige ist von einer altersbedingten Schlafstörung betroffen. Ursache dafür ist eine zu geringe oder komplett ausgefallene Produktion des Schlafhormons Melatonin in der Zirbeldrüse. Diese liegt außerhalb der Blut-Hirn-Schranke und ist daher ungeschützt und anfällig für die Wirkungen von Schwermetallen und Umweltgiften

Ernährung und Fasten: Basis für Lebensqualität

“Eine Krankheit hat viele Väter. Die Mutter ist immer eine falsche Ernährung”. (chinesisches Sprichwort)

Der menschliche Stoffwechsel basiert auf steinzeitlichen genetischen Voraussetzungen unserer eigenen Gene und der noch älteren in uns lebenden Mikroorganismen. Die uralten Gene dieser Mikroben sind ebenso wie unsere eigenen nicht auf die moderne Ernährung eingestellt, auch nicht auf eine erst 10000 Jahre alte getreidehaltige Nahrung.

Zur Nahrung gehörten damals vermutlich vor allem Pflanzen aller Art, Pilze, kleine Tierchen, Fische und, bei großem Jagderfolg, auch mal ein Stück Wildbret. Als Konsequenz ergibt sich für eine gesunde Ernährung eine proteinreiche und möglichst vollkorn- und getreidefreie Ernährung wie in der Steinzeit. Dazu gehört ein hoher Gemüseanteil mit wenig saisonalem Obst

Das nächtliche Fasten ebenso wie längere Fastenperioden sind evolutionsgeschichtlich und genetisch in uns verankert. Erst mit dem Getreideanbau und dem Beginn der Sesshaftwerdung steht Nahrung jederzeit zur Verfügung. Fasten ist deswegen so sinnvoll, weil es dem Körper die notwendige Zeit und Ruhe gibt sich zu regenerieren.

Mit zunehmendem Alter ist aber auch die damit verbundene Verlangsamung des Zellwachstums wichtig, denn wenn die Grenze für die Zellteilung erreicht ist, stirbt die Zelle ab und bleibt als seneszente Zelle zurück. Somit bewirkt Fasten als wirkungsvolles Anti-Aging-Instrument eine qualitative Verlängerung des Lebens.

Mikronährstoffe und Hormone

Enzyme steuern fast alle Stoffwechsel-Prozesse im Körper, ohne sie ist menschliches Leben nicht möglich. Enzyme werden für die Verdauung ebenso benötigt wie für ein starkes Immunsystem und für Entgiftungsprozesse.

Damit die enzymatischen Prozesse funktionieren können, benötigen sie Baustoffe und Cofaktoren, ohne die der Prozess nicht ablaufen kann. Da fast alle Enzyme Proteine sind, benötigen sie die Eiweißbausteine, die Aminosäuren, in ausreichendem Maße. Hinzu kommen die Cofaktoren wie Mineralstoffe, Vitamine und Vitaminoide und pflanzliche Stoffe wie Polyphenole. Man spricht von rund 50 Stoffen, die für ein Funktionieren des Körpers benötigt werden.

Aber auch das Gehirn hat einen hohen Bedarf: Die im Gehirn entstehenden Neurotransmitter Dopamin, Serotonin und Melatonin sind entscheidend für unsere Emotionen, unser Denken und unser Wohlbefinden. Sie benötigen neben Aminosäuren als Substrat ebenfalls bestimmte Cofaktoren an Vitaminen und Mineralstoffen, damit sie produziert werden können.

In Bewegung bleiben

„Gehen ist die beste Medizin“ (Hippokrates)

Bewegung und Blutfluss stehen miteinander in enger Verbindung: je fitter der Mensch ist, umso höher ist die Sauerstoffversorgung der Gefäße. Bewegung führt auch zum Erhalt der Muskelmasse, wohingegen Bewegungsmangel zum Abbau führt.

Nimmt die Fitness durch aerobe Bewegung zu, werden die Blutgefäße im Hippocampus, dem Zentrum für Lernprozesse, stärker. Wenn nun zusätzlich neue Lerninhalte erarbeitet werden, die für das Gehirn eine Herausforderung darstellen, werden bestehende neuronale Verbindungen gestärkt und umgebaut, neue aufgebaut und die neuen Stammzellen integriert, die ohne diese Integration nur kurze Zeit lebensfähig sind.

Wer rastet, der rostet. Das gilt also in besonderem Maße für das Gehirn: Wenn synaptische Verbindungen nicht mehr genutzt werden, werden sie zugunsten anderer, stärker genutzter, abgebaut. Das Gehirn entwickelt sich nutzerorientiert in die Richtung, in der es verwendet wird. Damit kann Energie eingespart werden und da eingesetzt werden, wo sie benötigt wird. Bewegungsmangel ist auch mit Persönlichkeitsveränderungen verbunden. Geringere physische Aktivitäten führen lt. Studien zu einem Rückgang an Offenheit, Extraversion und Verträglichkeit. 

Gehirntraining: geistig beweglich bleiben

Ein gutes Gedächtnis ist zwar zu einem Teil auch genetisch bedingt, auf ein ganzes Leben bezogen aber eher eine Frage eines Lebensstils, zu dem neben geistigen Herausforderungen auch eine gesunde Ernährung und Bewegung gehören.

Grundsätzlich sind menschliche Gehirne lebenslang lern- und entwicklungsfähig, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen, z.B. dass das zu Lernende eine Herausforderung darstellt. Kreuzworträtsel gehören also nicht dazu. Das zu Lernende muss sinnvoll, mit einer Absicht oder einem Ziel verbunden sein und im Idealfall auch noch Spaß machen.

Das Gehirn arbeitet hoch energieeffizient, weil es schon im Normalzustand 20% der zur Verfügung stehenden Energie benötigt. Dies hat Konsequenzen: die Funktion bestimmt die Struktur, d.h. wofür Sie Ihr Gehirn benutzen, definiert wie Ihr Gehirn aussieht.

Ist Lernen ein üblicher Prozess, bilden sich zahlreiche neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen und daraus stabile Netzwerke. Und das funktioniert lebenslang!

Von einer starken Nutzung des Gehirns profitieren alle Altersgruppen, wenngleich diejenigen, die bis spätestens Anfang 50 damit begonnen haben, im hohen Alter größere Ressourcen haben. Die berühmte Nonnenstudie beweist, dass bei einigen von ihnen trotz altersüblichem Abbau des Gehirns äußerlich überhaupt nichts darauf hindeutete, weil ihr Gehirn in der Lage war, diesen durch Nutzung anderer Gehirnteile zu kompensieren.